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Dorfgeschichte Ebsdorf

Ebsdorf, in einem fruchtbaren Tal gelegen, das nach seinem Namen als Ebsdorfer Grund bezeichnet wird, ist seit 750 bekannt. Der Name lautete in der ältesten Form Ebilitzdorf. Durch den Ebsdorfer Grund ging die "Lange Hessenstraße" an der Amöneburg vorbei nach Niederhessen und Thüringen. Dadurch kam es, daß Ebsdorf frühzeitig bekannt wurde und immer sehr regen Verkehr hatte.

Ursprünglich bildete der Ebsdorfer Grund mit allen seinen Ortschaften ein Reichsvogteigericht. und das Reich übte alle Hoheitsfunktionen aus. Kaiser Heinrich II. hatte nachweislich Besitz in Ebsdorf und dort auch eine Kaiserpfalz. Er machte der Kirche große Schenkungen und so auch dem Mainzer Stift St. Stephan und so kam es, daß das Mainzer Stift in Ebsdorf und im Ebsdorfer Grund zahlreichen Streubesitz hatte, der mehrere Jahrhunderte nachweisbar ist.

Zur Zeit der Salier muß Ebsdorf für die damaligen Kaiser eine gewisse Bedeutung gehabt haben. 1054 weilte hier Kaiser Heinrich III. auf dem Weg von Mainz nach Quedlinburg. 1057 war seine Witwe mit ihrem Sohn, Kaiser Heinrich IV. hier anwesend. Während seiner Regierungszeit war Kaiser Heinrich IV. dreimal in Ebsdorf.

Die Kaiserpfalz lag sehr wahrscheinlich auf einem Geländerücken in der Nähe des ehemaligen Bahnhofes, der im Volksmund den Namen "Steinernes Haus" trägt und direkt an der ehemaligen Reichsstraße Mainz-Fritzlar liegt.

Um 1150 gehen die Hoheitsrechte des Reiches auf das Kloster St. Stephan in Mainz über. Um 1250 dringt allmählich Hessen in das Mainzische Gebiet vor und der Landgraf übernimmt einen Teil der Ländereien auf Zeitpacht. 1335 ging das Vogteigericht Ebsdorf endgültig in den Besitz des Landes Hessen über. Damit war auch die alte Reichsstraße hessisches Gebiet geworden.

Hessen gründete nun das Gericht Ebsdorf, zu dem die Ortschaften Ebsdorf, Hachborn, Hassenhausen, Erbenhausen, Ilschhausen, Leidenhofen, Heskem, Mölln, Dreihausen, Wermertshausen und Roßberg gehörten. Den Vorsitz führte stets der Schultheiß von Ebsdorf. Ihm standen 12 Schöffen zur Seite. Der Gerichtsplatz befand sich in Ebsdorf östlich der Kirche auf einem heute noch erhaltenen Steinrondell. Auch wurden Gerichtssitzungen im Gerichtshaus, dem späteren Gemeindehaus, abgehalten. 1466 kamen in Ebsdorf die Abgesandten der hessischen Städte zusammen. 1786 wurde das Gericht Ebsdorf mit dem Gericht Treis an der Lumda zusammengelegt. Während seiner Zugehörigkeit zum Königreich Westfalen unter Kaiser Napoleon wurde aus dem Gericht Ebsdorf ein Kanton gebildet, in dem ein Friedensrichter die zivile Gerichtsbarkeit ausübte.

Nach dem 30-jährigen Krieg wurde das an der langen hessischen Durchgangsstraße gelegene Ebsdorf ein beliebter Treffpunkt der Vieh- und Pferdehändler, die von hier aus zu den Märkten zogen. Die Hessische Regierung genehmigte auf Antrag von Ebsdorf jährlich zwei Märkte, denen später noch drei weitere hinzugefügt wurden. Während des Markttages durfte jedes Haus in Ebsdorf Alkohol ausschenken. Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen schliefen die Märkte allmählich ein.

Am 1. August 1890 zerstörte ein 15 Minuten dauerndes Hagelwetter die gesamte Ernte. In den Jahren 1904/1905 wurde die Kreisbahn gebaut. Sie führte von Marburg-Süd über Cappel, Ronhausen, Bortshausen, Ebsdorf, Heskem, Wittelsberg nach Dreihausen. Bürgermeister war zu dieser Zeit Andreas Grau. 1914 wurde unter Bürgermeister Peter Schneider die Wasserleitung gebaut. Der am 1. August 1914 ausbrechende Weltkrieg griff tief in die Verhältnisse des Dorfes ein. Nach und nach zogen 129 Männer ins Feld, wovon 15 nicht zurückkehrten. Im Herbst 1919 brannte in Ebsdorf zum ersten mal das elektrische Licht. Die Nachkriegszeit brachte auch in Ebsdorf, von wo früher viele Arbeiter zum Pflastern in die Fremde gingen, Arbeitslosigkeit, Not und Elend.

1925 wurde Johannes Bodenbender Bürgermeister. 1933 Konrad Lauer. 1934 zählte Ebsdorf 735 Einwohner, wovon die Mehrzahl in der Landwirtschaft beschäftigt war. Das Dorf hatte einen Pfarrer, zwei Lehrer, einen Arzt, eine Krankenschwester und eine Kindergärtnerin.

Auch der Zweite Weltkrieg 1939-1945 forderte in Ebsdorf seinen Tribut. Es kehrten 47 Männer nicht mehr nach Hause zurück. Im März 1945 wurden ca 85 Bomben über Ebsdorf abgeworfen. Sie streiften zum Glück nur den Süd-West-Rand des Dorfes. Mehrere Gebäude wurden vernichtet, aber zum Glück waren keine Menschenleben zu beklagen.

Nach dem 2. Weltkrieg kamen ca 400 Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten zu den 750 Einwohnern Ebsdorfs. In den Folgejahren fanden die meisten irgendwo eine neue Heimat, aber für viele wurde Ebsdorf die neue Heimat. Die Marburger Kreisbahn stellte 1971 ihren Betrieb ein. Die Anlagen wurden abgebaut und der Personen- und Güterverkehr auf die Straße verlegt. In den Jahren 1973/1974 wurde mit tatkräftiger Mithilfe vieler Bürger das Dorfgemeinschaftshaus erbaut.

1984 wurde fast ausschließlich in Selbsthilfe eine neue Friedhofshalle errichtet. In den Jahren 1983-1992 wurde in Ebsdorf die Dorferneuerung durchgeführt, bei der viele alte Fachwerkhäuser wieder freigelegt und restauriert wurden. Auch Wege, Straßen und Plätze wurden erneuert und dem Stil des Dorfes angepaßt, u. a. auch die Kirchhofsmauer und die alte Gerichtsstätte. Bereits in den Jahren 1977/1978 war die Kirche restauriert worden.

Die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 ging auch an Ebsdorf nicht spurlos vorrüber. Seit 1. Juli 1974 bildet Ebsdorf zusammen mit den Gemeinden Beltershausen-Frauenberg, Dreihausen, Hachborn, Heskem-Mölln, Ilschhausen, Leidenhofen, Rauischholzhausen, Roßberg, Wermertshausen und Wittelsberg die Gemeinde Ebsdorfergrund mit Verwaltungssitz in Dreihausen.

Heute hat Ebsdorf ca. 900 Einwohner. Es ist eine rege Vereinstätigkeit zu verzeichnen. Folgende Vereine gibt es in Ebsdorf:

  • Bayern-Fan-Club
  • Burschenschaft
  • CVJM Ebsdorf
  • Damen-Gymnastikverein
  • Fischereiverein
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Heimat- und Verschönerungsverein
  • Kirchenchor
  • Landfrauenverein
  • Männergesangverein
  • Posaunenchor
  • Reit- und Fahrverein
  • Skatverein
  • Tischtennisverein
  • Turn- u. Sportverein

 Außerdem einige Kegel- und Gesellschaftsclubs.

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